Unterwegs in China: Das Beste von Beijing

von Maja Blumer

Nachdem ich zwei Jahre in Beijing gewohnt habe, werde ich oft gefragt, was man bei einem Kurzbesuch in Beijing sehen und erleben kann. Hier meine Favoriten:

Den Überblick gewinnen

Beijing ist mit geschätzten 20 Mio. Einwohnern nicht gerade klein. Deshalb empfiehlt es sich, erst einmal einen Überblick zu gewinnen. Mein Favorit ist die Bar bzw. das Restaurant im 80. Stock des World Trade Centers im Südosten der Stadt. Alternative im Westen der Stadt ist der TV-Turm, der zudem über ein Drehrestaurant verfügt. Schliesslich wurde im Norden im Olympischen Park im Norden 2014 ebenfalls ein Aussichtsturm errichtet.

Auftanken: Parks

Beijing Botanischer Garten

Botanischer Garten, Beijing

Das Beste an Beijing sind zweifellos die zahllosen Parks, nicht nur der Schönheit der Anlagen wegen, sondern weil Beijing hier lebt: es wird musiziert, getanzt, es werden Ehepartner für die Kinder gesucht usw.

Besonders im Frühling empfiehlt es sich, einen Ausflug in den botanischen Garten im Westen der Stadt zu machen, um die dortige Blütenpracht zu Bewundern.

Im Herbst ist es auf dem Hügel Xiangshan besonders schön. Wer von der Stadtbesichtigung ermüdet ist, kann sich mit der Sesselbahn auf den Gipfel befördern lassen.

Wenn die Luftqualität gut ist, bietet sich der riesige Olympiapark für eine ausgedehnte Joggingrunde an. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt allerdings der Campus der Tsinghua University.

Kunst und Kultur

Unvermeidlich bei einem Besuch in Beijing sind natürlich der Platz des himmlischen Friedens (Tiananmen) und die Verbotene Stadt. Und auch um ein Besuch bei der Grossen Mauer kommt man nicht herum. Lamatempel und Konfuziustempel sind ebenfalls zu empfehlen.

Für an Design, Kunst und Kultur Interessierte drängt sich ein Besuch 798 Art District im Nordosten der Stadt auf. Was Museen anbelangt, mangelt es daran zwar nicht, doch wirklich begeistern konnte mich nur eines: die Beijing Planning Exhibition Hall am Südostende des Platzes des Himmlischen Friedens.

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Nationalbibliothek, Beijing

Immerhin, für Architekturbegeisterte hat die Stadt viele schöne und auch etliche skurrile Gebäude zu bieten, da sich hier alle Architekten von internationalem Weltruhm hier ausleben durften (allzu oft leider auf Kosten der traditionellen Hutongs). Schon bei der Ankunft erlebt der Gast mit dem Internationalen Flughafen ein Highlight. Gigantisch ist auch der Bahnhof im Süden der Stadt. Interessant ist weiter unter anderem das als “lange Unterhose” betitelte Gebäude des Fernsehsenders CCTV. Ebenfalls eine Ikone ist das National Centre for Performing Arts. Auf dem Olympiagelände sind insbesondere das “Vogelnest” (Stadium) und der Watercube (wo inzwischen auch selber ins Nass eintauchen kann) einen Besuch wert. Schliesslich ist auch die Nationalbibliothek ein interessanter Wurf und, um noch einmal auf die Tsinghua University zurückzukommen, die von Mario Botta entworfene Sozialwissenschaftliche Bibliothek.

Für Theater- und Musikbegeisterte hat Beijing in Anbetracht seiner Grösse erstaunlich wenig zu bieten. Eine Pekingoper in voller Länge anzuschauen dürfte die meisten überfordern. Am ehesten empfiehlt es sich, ein gemischtes Programm im Lao She Teahouse anzuschauen.

Shopping

Pekings Shoppingmeile Wangfujing ist sicher einen Besuch wert, auch wenn sie über wenig Lokalkolorit verfügt. Das gleiche gilt für die zahllosen riesigen Shoppingmalls, die über den Rest der Stadt verteilt sind.

Geschäfte mit Lokalkolorit findet man am ehesten im 798 Art District, um Houhai und in den Strassen westlich von Lamatempel und Konfuziustempel. Am Wochenende empfiehlt sich ein Ausflug in den sogenannten Antiquitätenmarkt Panjiayuan in der Nähe des Himmelstempels. Echte Antiquitäten gibt es dort kaum, doch das eine oder andere hübsche Mitbringsel findet sich dort bestimmt.

Eher in die Kategorie Touristenfalle fällt der Silk Street Market, aber wenn man noch schnell ein Souvenir finden will, kann man auch dort fündig werden. Kleider sind dort nicht wirklich billig, wer wissen will, wo die Grosshändler einkaufen, muss in die Märkte südlich des Zoos eintauchen (der Zoo selbst ist eher eine deprimierende Angelegenheit).

Essen

Pekingente gehört einfach zu jedem Besuch in Beijing. Im gehobenen Segment ist Da Dong zu empfehlen, authentischer ist es, die Ente in einem traditionellen Hutong zu verspeisen, etwa im Liqun Roast Duck Restaurant.

Ein Erlebnis nicht nur für den Gaumen ist das Bai Jia Da Yuan im Bezirk Zhongguancun. Hier wird nicht nur imperiale Küche serviert, das Restaurant ist zudem idyllisch in der ehemaligen Residenz eines echten Prinzen gelegen und die Kellner treten in traditionellen Kostümen auf.

Die besten Dumplings gibt es bei Jing Ding Xuan gleich neben dem Südeingang des Temple of Earth (in der Nähe des Lamatempels).

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No Name Restaurant & Bar, Houhai, Beijing

Mein absoluter Favorit ist allerdings das No Name Restaurant im Vergnügungsbezirk Houhai, das nicht nur über ein fabelhaftes Ambiente inmitten der Hutongdächer verfügt, sondern wo auch feine Yunnan-Küche serviert wird.

Ausgehen

Bereits erwähnt ist das Ausgehviertel um den See Houhai, wo sich Bar an Bar reiht und vielerorts Livemusik aufspielt. Ein weiteres Ausgehviertel, vor allem für die Expats und die Jeunesse Doréee ist Sanlitun.

Schlafen

Meine Erfahrung punkto Hotels in Beijing ist recht beschränkt. Trotzdem zwei Favoriten: Am oberen Ende der Skala liegt Grand Hyatt Wangfujing, vor allem wegen dem tollen Spa. Authentischer, und günstiger, ist das in einem Hutong liegende Imperial Courtyard Hotel.

Sicherheit

Beijing ist eine sehr sichere Stadt. Grösstes Gesundheitsrisiko ist die Luftverschmutzung, IMG_1486die man gerne negieren möchte, die aber nicht zu unterschätzen ist. Wer unter Husten, Kopfschmerzen und Müdigkeit leidet, wird wahrscheinlich feststellen, dass Messwerte der Amerikanischen Botschaft wieder einmal auf “Very Unhealthy” oder gar auf “Hazardous” geklettert ist. Diesfalls sollte jegliche körperliche Betätigung im Freien vermieden werden.

Ein Ärgernis, wenngleich kein Sicherheitsrisiko, sind die Taxis. Viele Taxifahrer halten Touristen für leichte Beute und wollen einen Preis für die Fahrt “aushandeln”, der in der Regel um ein Vielfaches über dem regulären Tarif liegt. Das ist zwar illegal (ebenso wie die “schwarzen Taxis”), aber dieses Wissen hilft einem wenig, wenn man spätnachts vom Ausgang nach Hause zurückkehren will und die letzte U-Bahn längst abgefahren ist…

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Strassenverkehr, dessen Regeln sich mir auch nach zwei Jahren noch nicht ganz erschlossen haben. Sicher ist: Bei Rot ist es am sichersten. Abgesehen davon muss man sich einfach bewusst sein, dass Fahrzeuge überall von jeder Seite kommen können.

Betrüger, die Touristen für eine leichte Beute halten, gibt es zuhauf. Einladungen zu irgendwelchen Teezeremonien sollte man ebenso vermeiden wie irgendwelche armen Kunststudenten eines ihrer Meisterwerke abzukaufen (welches man auf dem Panjiayuan zu einem Bruchteil des geforderten Preises in Dutzenden erwerben kann). Wer im Silk Street Market oder im Panjiayuan nicht über den Tisch gezogen werden will, muss hart verhandeln. Der erstgenannte Preis ist in der Regel das 5-10fache des Preises, zu dem der Verkäufer die Ware gewinnbringend verkaufen kann.

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